Und links und rechts schlägt er Kreibel mit dem Handrücken ins Gesicht. Der taumelt gegen die Fensterwand.
,, Von wegen, Altes Testament', du Bursche... Ich weiß genau, was du willst... Besitz' noch einmal die Dreistigkeit, an die Tür zu klopfen!"
Wie er Kreibels Zelle verläßt, klopft sein Nebenmann gegen die Tür.
,, Halt das Maul, du Idiot! Sind wir eure Laufjungen?" hört Kreibel den Wachtmeister schreien.
Kreibel rückt den Schemel an die Fensterwand, und vorsichtig, den ganzen Körper an die Wand gedrückt, steigt er hinauf. Der Posten stampft in langsamen Schritten an der Mauer, das Gesicht auf die Fußstapfen im Schnee gerichtet.
Die kurze, stille Dämmerung versinkt in Nacht. Der Mond gewinnt Glanz und Leuchtkraft. Einzelne Sterne beginnen zu funkeln. In der Ferne, hinter den im Mondlicht schimmernden Schneefeldern, sind Wohnhäuser zu erkennen. In ihren Fenstern ist Licht und Leben. Aus dem nahen Inspektorenhaus dringen dünne Kinderstimmen herüber. Ein Weihnachtslied. Heute ist Heiliger Abend.
Kreibel steht auf dem Schemel und blickt durch die Gitter in die Nacht... Sie wird zu Hause sitzen und an ihn denken, so wie er jetzt an sie denkt... Den kleinen Fritz wird sie früh ins Bett legen... Vielleicht wird sie, wenn andere im fröhlichen Familienkreis singen und schlemmen, durch die verlassenen, dunklen Straßen laufen... Vielleicht liegt sie auch schon im vereinsamten Ehebett und kann, wie er, keinen Schlaf finden... Heiliger Abend...
Heiliger Abend...
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