... Auch diese Wintertage können so schön sein... Er denkt an frühere Wanderungen durch die schneeigen Wälder der Haake und Göhrde... denkt an die fröhliche Ursula, mit der er vor vielen Jahren Ferientage im Dezember verlebte... denkt an den weißen Sweater, den sie trug und der ihr zu dem braunen Wuschelkopf und den schwarzen, sehr glänzenden Augen so gut stand... Vorbei, längst vorbei sind all die schönen Tage... Und Ilse, seine Frau, hat er doch auch im Winter kennengelernt — bei der Gottlosenfeier am Heiligen Abend... Was wird sie in diesem Augenblick machen?... Auch sie ist schlimm dran. Sitzt da allein mit dem Kind und muß von den Wohlfahrts- groschen leben... Ilse?... Es war zwischen ihnen keine himmelstürmende erste Liebe, nein, aber eine ruhige, tiefinner- liche Liebe, die nicht viel Aufhebens macht... Er ist nicht
immer gerecht, nicht immer gut zu ihr gewesen... Er wird es später— ja, vielleicht später— alles wieder gutmachen... =. Jorsten.
Was mag mit Torsten sein?... Vom Kalfaktor hat er gehört, daß er auf A 1 liegt. Einmal hat er sogar einen kleinen Zettel mit einem Gruß hinunterschicken können... Den werden sie auch noch lange in Einzelhaft halten... Torsten müßte neben ihm liegen, dann wäre alles viel leichter zu ertragen. Der ist so stark ... Sie haben sich nie gesehen und sind doch Freunde ge- worden... Knastfreunde....
Wie mag er überhaupt aussehen?... Er wird nicht groß, aber stämmig und stark wie ein Bär sein... Gut und klug wird er aussehn,; was er geklopft hat, verriet den geschulten Marxisten. Er denkt noch lange an Torsten und an ihre Klopfgespräche. Ihm ist dabei, als ströme neuer Mut und neue Zuversicht durch seine
Glieder...&
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