greift die Lagerleitung durch. Acht an der Grippe erkrankte Häftlinge werden ins Lazarett des Untersuchungsgefängnisses gebracht. Anderntags kommen Lastautos mit Kohlen.
Zwei Tage lang müssen die jüngeren Gefangenen der Säle 1 und 2 die Kohlen korbweise in den Keller schleppen. Ein alter, langjähriger Zuchthäusler wird Heizer, und eines Morgens zischt es endlich in den Röhren der Dampfheizung.
In den letzten Tagen des November erholt sich Kreibel von seinem bösartigen Grippeanfall. Aber die Dunkelheit, die anschließende Krankheit haben ihn körperlich und seelisch verwüstet. Er hat eine schmutziggraue, gelblich schimmernde Hautfarbe und einen starren, irren Blick bekommen. Seit zehn Wochen ist er nicht rasiert worden. Zentimeterlange Bartstoppeln und lange Kopfhaare, die ihm über die Ohren und den Kragen der Zuchthausjacke hängen, verleihen ihm ein scheußliches und gefährliches Aussehen.
Darin liegt Methode. An Sonntagen kommt jetzt des öfteren Besuch. Hohe Staatsbeamte mit ihren Frauen, Verwandten und Bekannten lassen sich das Konzentrationslager zeigen. In den wenigsten Fällen wird die Zelle aufgeschlossen, gewöhnlich werden die Gefangenen nur durch den Spion in der Zellentür beobachtet.
Oft kreischt eine Frauenstimme entsetzt auf. ,, Uh, der sieht aber gefährlich aus; das ist doch gewiß ein Mörder!"
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Der sieht ja entsetzlich aus Was sagen Sie, Herr Wachtmeister? Ein Messerstecher? Ja, so sieht er auch aus!"
Eines Tages kommt ein Journalist, ein Engländer. Der Sturmführer führt ihn durch das Lager: in einige Säle und bestimmte Einzelzellen. Vom Keller wird nicht gesprochen.
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