„Jedenfalls har ik ok den Meisel dat ehr gönnt, as denn Robert Lenzer!” erklärt Kesselklein.
Die Tage des November verlaufen ruhiger als die der Vor- monate. Obertruppführer Meisel läuft verstört im Gefängnis um- her und unterläßt die nächtlichen Prügelexekutionen. Sturm- führer Dusenschön kommt in immer größeren Gegensatz zu dem Kommandanten, der alles tut, die Unstimmigkeiten zu ver- schärfen. Harms ist Truppführer geworden und steht in persön- lichen Diensten des Kommandanten. Unter den SS-Leuten wird
‘ganz offen davon geredet, daß Harms wohl demnächst Sturm-
führer und stellvertretender Lagerkommandant werden würde. Die Gefangenen, die nicht wissen, aus welchem Grunde die Mißhandlungen nachlassen, nehmen an, daß es mit dem Wahl- ergebnis zusammenhängt. Die Tage sind ruhig und geregelt wie in einem Gefängnis. In den Nächten hört man nur noch selten Schreie.
Aber kalt ist es geworden, und, obgleich es Mitte November ist, bleiben die Zellen immer noch ungeheizt. Es fehlt an Kohlen.
: Die Gefangenen ziehen alle Kleidungsstücke, die sie haben, auf
den Leib; dennoch frieren die, die ohne Beschäftigung und Be- wegung in den feuchten, kalten Einzelzellen liegen, entsetzlich. Besonders die Dunkelhäftlinge sind schwer dran. Ihre Zellen liegen im Keller, und sie müssen frierend in eisiger, naßkalter Dunkelheit hocken.
Die Posten auf dem Hof tragen schwere Lammfellmäntel und hohe, gefütterte Stiefel.
Die Wachtmeister haben sich einen Petroleumofen beschafft. Um den sitzen sie und blasen sich warmen Hauch in die Hände, wenn sie von einem Rundgang durch die Station zurückkehren. Erst, nachdem ein alter Gefangener in seiner Zelle erfroren ist,
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