liche als revolutionär bekannte Arbeiter wurden entlassen, aber die Betriebszeitung erscheint nach wie vor.
Auch von der Wahl weiß der Reichsbannermann Neuigkeiten zu berichten.
Die wenigsten Menschen trauten sich angesichts des unverhüllten Terrors und der offenen Drohungen zu wählen, wie sie dachten. Auf der Straße wurden Abzeichen mit" Ja" getragen. Wer es nicht trug, wurde beschimpft. In einigen Wahllokalen haben die Leute mit Handschuhen gewählt, weil sie fürchteten, man könne sie an den Fingerabdrücken auf dem Stimmzettel identifizieren. Die Wahlergebnisse wurden erst veröffentlicht, nachdem sie im Propagandaministerium von Joseph Goebbels geprüft" worden waren. Einzelresultate wurden überhaupt nicht veröffentlicht, weil, wie Presse und Radio meldeten, in den Kreisen der Bevölkerung kein Interesse dafür vorläge.
,, Das Ausland wird sich von dieser Wahl nicht irremachen lassen!" meint Schneemann.
,, Und wi ok nich!" setzt Kesselklein hinzu.
Während der Essenausgabe drückt der Kalfaktor Welsen einen Zettel in die Hand. Darauf steht: Lenzer ist verhaftet! Erklären: wir haben angenommen, er handelte im Einvernehmen mit der Lagerleitung. Meisel ist nicht verhaftet. Zettel vernichten.- Nach dem Essen teilt Welsen den Genossen die Neuigkeit mit. Lenzer hat noch für zwanzig Mark und sechzig Tabakwaren zu liefern. Das Geld, meint Welsen, wird wohl verloren sein. ,, Und warum muß Lenzer allein die Verantwortung tragen? Warum drückt sich dieser Meisel, das Schwein?"
,, Genossen", antwortet Welsen, das geht uns nichts an. Wie die beiden Wachtmeister das untereinander erledigen, ist ihre Sache!"
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