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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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werfen sich gegenseitig Straftaten vor. Der Stubenälteste Welsen versucht immer wieder, die Streitigkeiten zu schlichten und die Kameradschaftlichkeit auf dem Saal zu erhalten.

Auf Saal 2 ist am Tage nach der Wahl ein junger Arbeiter ein­geliefert worden, der als Mitglied einer Reichsbannergruppe mit den Kommunisten seines Stadtteils zusammengearbeitet hat. Er kennt Schneemann, und die beiden geraten bald heftig an­einander.

Schneemann will immer noch die Notwendigkeit der Existenz einer Sozialdemokratie beweisen, und der Reichsbannerarbeiter vertritt die Auffassung, daß die Sozialdemokratie, nach ihrem politischen Fiasko, für alle Zeiten tot sei, daß alle Wieder­belebungsversuche Unsinn seien und es jetzt nur noch eines gebe: gemeinsam mit den Kommunisten zu gehen und eine ein­heitliche Arbeiterpartei zu schaffen.

Was der Reichsbannergenosse erzählt, erfüllt die Gefangenen mit neuer Zuversicht.

Zahlreiche Gruppen des Reichsbanners und Mitglieder der frühe­ren SPD arbeiten mit den Kommunisten Hand in Hand; beson­ders in den Betrieben oft vorbildlich. In den Triton- Metallwerken war seit Wochen eine Betriebszeitung ,, Die rote Sirene" er­schienen. Nie gelang es der Betriebsführung und der NSBO­Leitung, die Hersteller oder die Verteiler dingfest zu machen. Um die illegale Arbeit in diesem Betrieb zu unterbinden, wurden alle Arbeiter, die vor der Machtergreifung Adolf Hitlers als Kommunisten oder Sympathisierende verdächtig waren, ent­lassen. Bevor jedoch der letzte revolutionäre Arbeiter seine Papiere bekam, traten einige alte sozialdemokratische Parteimit­glieder an ihn heran und erklärten sich bereit ,,, Die rote Sirene" weiter im Betrieb zu verbreiten. Und so geschieht es auch. Sämt­

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