Lenzer geht schweigend neben ihm her.
11...
Ich habe es geahnt, daß es einmal schief gehen wird!... Wir hätten doch die Finger davon lassen sollen..."
,, Versuche herauszubekommen, wer uns verpetzt hat!"
,, Ja!... Und wenn auch das mit dem Brief... mit dem Brief von diesem Fischer rauskommt?"
Nun braust Lenzer auf.„ Das ist deine Sache. Damit habe ich nichts zu tun. Das laß ich mir auf keinen Fall zuschieben!" " Ja!... Ja, ja!" stammelt Meisel. ,, Das... das verlange ich auch gar nicht!"
Meisel sperrt Lenzer in eine kahle, kalte Zelle, in der nichts weiter steht als eine lange Holzpritsche. Das Zellenfenster ragt nur mit dem oberen Viertel über den Erdboden.
Schummriges Halbdunkel liegt in den vier Wänden.
,, Ich kann ja nichts dran ändern!" meint Meisel, als er die Zelle verläßt.
,, Hast du Zigaretten bei dir?"
,, Nein! Leider nicht!"
,, Dann besorg' mir welche!"
,, Ja! Ja! Ich komme sogleich wieder!"
Meisel schließt die Tür und entfernt sich eilig.
Lenzer steigt ans Fenster, um zu sehen, wer Hofwache hat. Er erkennt Kramer, der ihn nicht leiden kann.
,, Auch das noch!" flucht er, wirft sich auf die Holzpritsche und streckt alle viere von sich.
Am anderen Tage werden sechzig Gefangene entlassen. Im Laufe der Woche sollen weitere Entlassungen folgen. Unter den Gefangenen im Lager herrscht größte Aufregung. Jeder hofft, entlassen zu werden. Dieser Umstand lockert die Solidarität. Die freiwillige Disziplin läßt nach. Streitigkeiten mehren sich; einige
240


