In den Nachmittagsstunden kommt vom Hof wildes Schreien, Rennen, Lachen. Torsten blickt von der Seite ein wenig aus dem Fenster. Vor dem Gefängnisgebäude stehen die Zugänge, sicherlich diejenigen, die während der Wahl verhaftet wurden. Die Wachtmeister sind heute so aufgeräumt, daß sie besondere Tollheiten aushecken.
Die Schubkarren der Abbrucharbeiter werden herbeigeschafft, auch der große, schwere Rollwagen, mit dem man die Steine wegfährt. Erst müssen die neuen Gefangenen mit dem Schubkarren, in denen ein Gefangener sitzt, um den Hof traben; dann müssen alle auf den Rollwagen steigen, und zwei Gefangene müssen sich wie Pferde vorspannen und den Wagen ziehen. Die Wachtmeister laufen mit der Peitsche nebenher, schreien:„, hü!" und: ,, hott!" und treiben mit Peitschenschlägen die Gefangenen zu immer schnellerem Laufen an.
Am Fenster der Wachtstube stehen der Heildiener und einige Kriminalbeamte und amüsieren sich.
Einigen Wachtmeistern geht das Spiel nicht toll genug. Mitten im Hof, in einer Mulde, steht ziemlich tief Regenwasser. Durch diese Mulde müssen sich die Gefangenen gegenseitig auf Schubkarren hinein- und wieder hinausfahren. Wer es nicht fertigbringt, wird so lange gepeitscht, bis er es mit letzter Anstrengung doch erreicht oder zusammenbricht.
Erst in der Abenddämmerung werden die Gefangenen ins Gefängnis getrieben. Acht, die total erschöpft, keuchend und sich erbrechend an der Mauer liegen, werden von ihren widerstandsfähigeren Kameraden mitgeschleppt.
Lenzer sitzt in der Wachtstube und sieht die SS - Männer Otten und Kreker über den Gefängnishof auf den A- Flügel zukommen. Sie haben den grauen Stahlhelm auf und schwere Revolver an
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