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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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handelt werden dürfen... Die Wahl übertrifft aber auch alle Er­wartungen!"

Vierzig Millionen Ja- Stimmen?" fragt Torsten.

,, Jawohl, vierzig Millionen!" antwortet Lenzer komisch stolz. ,, Und, das wird Sie interessieren: Hamburg hat dabei noch un­gewöhnlich schlecht gewählt. Hier hat die Kommune ihre Stimmen halten können... Zirka hundertvierzigtausend Nein­Stimmen... Aber Sie wissen ja selbst, Hafenstadt, viel Gesindel, Halbstarke und so da ist es eigentlich weiter gar nicht ver­

wunderlich!"

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Torsten blickt in das Proletengesicht... Die Worte hat er heute in der Wachtstube gehört und aufgegriffen... Seine eigenen Gedanken sind das nicht...

,, Wenn der Wahlerfolg wirklich so überwältigend ist und die Marxisten wirklich ausgerottet sind, dann soll man doch die Konzentrationslager schließen und die Zuchthäuser leeren!" ,, Es ist wirklich so. Vierzig Millionen gegen zwei; Sie brauchen nicht daran zu zweifeln!" wiederholt Lenzer mit Nachdruck. Torsten lächelt und erklärt: Ich habe andere Zweifel!" Lenzer blickt ihn erstaunt an. Dann begreift er.

,, Sie meinen, die Wahl ist gefälscht?"

Torsten zieht die Schulter hoch. ,, Ich bin ein Gefangener, Herr Wachtmeister, ich meine gar nichts!"

,, So was macht Adolf Hitler nicht. Kommt nicht in Frage. Das war bei den früheren wohl möglich, aber heute nicht... Nee, nee, das glaube ich nicht!"

Nachdenklich verläßt der Wachtmeister die Zelle.

Nach wenigen Minuten kehrt er zurück, schließt auf und steckt den Kopf zwischen die Tür:" Seien Sie vorsichtig und äußern Sie so was zu keinem andern!"

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