Von Saal 2 werden neun Gefangene herausgerufen, darunter der Juwelendieb und der Homosexuelle, aber auch der Seemann Kesselklein.
Die Wahlhandlung dauert den ganzen Nachmittag. Nach den Sälen kommen die Einzelhäftlinge. Von der Station A 1 werden zwei Gefangene herausgeholt; von Station A 2 drei. Fünfundsiebzig Prozent der Gefangenen dürfen nicht wählen. Nachdem alle auf der Liste geführten Gefangenen gewählt haben, werden die Tische und Stühle wieder fortgetragen; die Blechwand wird in den Heizraum geschafft, und der Beamte vom Statistischen Landesamt nimmt den Holzkasten mit den Wahlscheinen und geht, begleitet von Dusenschön, Meisel und Teutsch nach der Kommandantur.
Kesselklein hat Welsen, der nicht mitwählen durfte, beiseite ge
nommen.
,, Düsse Wohl is' ne ganz grote Gemeinheit. De köhnt sik jetzt genau utreeken, wi jeder eenzelne wählt hätt. De Kuverts mit de Stimmzettels liggt hübsch opeenanner und de Wohl is genau no de List vornohmen worden."
,, Unter diesen Umständen wäre es vielleicht ratsam gewesen, gar nicht abzustimmen, sich der Stimme zu enthalten!" meint Welsen. ,, Schiet doch doran!" erwidert Kesselklein. ,, Ik heff mien Krüz op beide Zettel mokt. Mi köhnt se an' Mors kleihn!"
In den Abendstunden kommt Sturmführer Dusenschön in den Saal 2. Er ist angeheitert und nicht mehr ganz fest auf den Beinen. Die Gefangenen liegen auf den Strohsäcken. Einige schlafen bereits. Er knipst das elektrische Licht an und lallt: ,, Will euch nur mitteilen, daß ihr Hoffnung
haben...
könnt... Habt gut gewählt... ihr Arschlöcher... Vielleicht seid ihr morgen... schon bei... Muttern."
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