Und Schlag auf Schlag kracht auf den Körper der Frau nieder...
,, Runter mit ihr vom Tisch!"
Harms und Nuẞbeck ziehen sie an den Beinen vom Tisch. Meisel bindet die Röcke los. Da erschrecken die SS - Leute vor den aufgerissenen, blutunterlaufenen Augen der Mißhandelten. Sie gibt keinen Laut von sich, nachdem man ihr das Handtuch abgenommen und den Knebel aus dem Mund genommen hat. Ihre Lippen zittern. In ihren Augen liegt stummes Entsetzen. Sie wird im Keller in eine leere Dunkelzelle gesperrt.
Am nächsten Vormittag- es ist Sonntag, der Tag der Wahl- geht Dusenschön, begleitet von Obertruppführer Meisel, in alle Säle des Lagers und teilt den Gefangenen mit, daß der Kommandant ihm zugesagt habe, gleich nach der Wahl Entlassungen vorzunehmen, und zwar genau so viele, wie Ja- Stimmen abgegeben würden. Der Reichsstatthalter Kaufmann, so teilte er weiter mit, habe sich geäußert, daß er eine großzügige Amnestie durchführen werde, wenn das Resultat der heutigen Abstimmung ihm zeige, daß auch unter den Insassen des Hamburger Konzentrationslagers solche sind, die sich von den marxistischen Hetzern innerlich losgesagt haben.
Nach der entsetzlichen, schlaflosen Nacht erweckt die Aussicht auf baldige Entlassung neuen Lebensmut. Die Gefangenen lachen, werden gesprächig; jeder hofft, bei dem bevorstehenden großen Schub mit in Freiheit zu kommen.
Für die Kommunisten wird es in den Sälen immer schwerer, die Mitgefangenen zu beeinflussen. Es werden in letzter Zeit zweifelhafte Gestalten eingeliefert, Zuhälter, Taschendiebe, Homosexuelle. Manche dieser Kriminellen sind für kleine Vergünstigungen zu jedem Verrat bereit.
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