heute eine absolute militärische Disziplin und Standgerichte, wenn gegen diese Disziplin vergangen wird. Muß ich Ihnen das alles sagen?"
sogar
Dusenschön erwidert nichts. Wie ein Schlag ins Gesicht treffen ihn die Worte:
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Gehen Sie! Ich möchte allein sein!"
Den ganzen Tag hat Dusenschön sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Abends macht er einen Rundgang durch das Lager. Im A- Flügel des alten Zuchthauses stößt er auf Meisel, Teutsch und Nuẞbeck, die mit Peitschen und Ochsenziemern Einzelhäftlinge aufsuchen. Dusenschön schließt sich ihnen an. Wie ein Irrsinniger schlägt er auf die Gefangenen ein.
Walter Kreibel liegt mit hohem Fieber auf seiner Pritsche. Der Heildiener hat ihm erlaubt, so zu liegen, daß sein Blick das Zellenfenster trifft. Den ganzen Tag starrt er in das winzige Stückchen Himmel zwischen den Gitterquadraten. Wenn er sich ein wenig aufrichtet, kann er die Wipfel der herbstlich kahlen Bäume jenseits der Gefängnismauer sehen. Er richtet sich oft auf. Nie hat er vor Gefängnis und Zuchthaus Furcht gehabt. Daß es aber so hart sein kann, das hat er nicht gewußt... Einer, der nie in Dunkelhaft, der nie in beschäftigungsloser Einzelhaft saẞ, selbst ein Gefangener, der nur Gemeinschaftshaft kennt, kann sich keine Vorstellungen machen, welche Seelenfolter das ist... Was es bedeutet, allein, hilflos, solchen Wachtmeistern ausgeliefert zu sein. Wird ein Gefangener auf dem Saal mißhandelt, so können seine Kameraden auch nicht helfen; aber das Bewußtsein, daß sie bei ihm sind, daß sie es sehen, daß die Genossen ihm hinterher mitfühlende Worte sagen werden, das schon hilft viel zu ertragen. Aber immer allein... Immer allein, das ist entsetzlich schwer...
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