Sturmführer Dusenschön muß an sich halten. Er möchte den Kommandanten darauf aufmerksam machen, daß ihm noch vor wenigen Wochen die Behandlung der Gefangenen zu human gewesen ist. Woran sollte er sich denn eigentlich halten? Es brennt ihm auf der Zunge, dem Kommandanten zu sagen, daß ihn das Leben als Lagerverwalter, Beamter, als Büromensch zu langweilen beginnt; aber er denkt an die dreihundert Mark Gehalt, schluckt seinen Unwillen hinunter und schweigt.
Ellernhusen gefiel ihm längst nicht mehr so gut wie damals, als er an der Spitze des Marinesturms durch die Wohnviertel der Roten zog. Damals war er ein Mann, ein Soldat mit Kameradschaftsgeist und Todesverachtung. Den Sturmführer Ellernhusen, den Standartenführer Ellernhusen, den hat er verehrt, für den wäre er in den Tod gegangen. Der Staatsrat Ellernhusen ist feist und bequem, hat alles Soldatische verloren; er ist ihm merkwürdig fremd geworden.
Dusenschön blickt auf den Kommandanten, der ihm den Rücken zuwendet und auf den Gefängnishof sieht, mit Trauer. So blickt man einer erloschenen Liebe, einer zersprungenen Freundschaft nach. Empfindungen, die seit langem in ihm sind, über die er sich nur nie ganz klar geworden ist, in diesem Augenblick erkennt er sie: der Kommandant und er gehören nicht mehr zusammen. Bürokratische Sachlichkeit ist an Stelle soldatischer Kameradschaft getreten.
Dem Sturmführer kommt das Schweigen im Zimmer dumm vor. Er überlegt, wie er, ohne den Kommandanten zu brüskieren, abtreten kann, da klopft es.
Der Kommandant dreht sich um und ruft: ,, Herein!"
Oberscharführer Harms tritt ein.
,, Herr Kommandant, ich habe eine wichtige Meldung zu machen!" ,, So- o? Also, was gibt's?"
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