Eine Weile herrscht Schweigen. Dann werden Witze gerissen. Jeder versucht, sein Erstaunen über dies Ergebnis hinter einem Witz, einer Bemerkung zu verbergen. Es ist, als fürchte sich einer vor dem andern, für zu human zu gelten. Jeder fühlt sich durchschaut. Die Wahl ist zu eindeutig...
Welsen kann nicht einschlafen. Die Uhr an der Zuchthauskirche schlägt zehn. Drei Stunden wälzt er sich schon auf seinem Strohsack. Neben ihm atmen und schnarchen die Genossen. Welsen sieht im schwachen Schein der Notlampe über die Reihen der Pritschen hinweg. Auf jeder ein Genosse. Fast jeder ist grausam mißhandelt worden. Einige kommen aus Dunkelhaft und Einzelhaft. Dem jungen Walter Körning haben sie zwei Rippen gebrochen. Otto Stemmer hat heute, drei Wochen nach seiner Auspeitschung, noch Blut im Urin. Heinrich Elgenhagen, der einen Selbstmordversuch beging, um von den nächtlichen Miẞhandlungen erlöst zu werden, und rostige Nägel schluckte, leidet heute noch an schweren Magenblutungen. Den alten Dietzsch haben sie mißhandelt und in Einzelhaft geworfen... Von jedem weiß Welsen Entsetzliches... Und nur einer von ihnen allen will die Miẞhandlungen vergelten... Nur einer... Dreiunddreißig verabscheuen es... Dreiunddreißig sind hier hart geworden, unerbittlich aber nicht grausam... Welsen kann keinen Schlaf finden... Genossen!" möchte er schreien Genossen, ich liebe euch, liebe euch unendlich, und freue mich, zu euch zu gehören! Genossen, schämt euch nicht. Ihr habt recht: Bestien muß man totschlagen, aber selbst Bestien darf man nicht totquälen..."
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Oberscharführer Harms kommt aus der Wachtstube und will zur Treppe, die zum Gefängnishof führt, da hört er am andern Ende des Korridors ein leises ,, Pst! Pst!" Er dreht sich um
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