In aller Eile packen einige Gefangene ihm Bettzeug und Anstaltssachen zusammen und helfen ihm sich umziehen.
,, Du warst nur drei Tage im Lager!" sagt einer.
,, Vier! Vier Tage!" verbessert der Rittmeister. Vor Aufregung reißt er beide Schuhbänder ab. Ein Gefangener kniet vor ihm hin und knotet sie vorsichtig zusammen.
Meisel öffnet die Tür. Der„, Erlöserengel" steht neben ihm. Da flüstert Kesselklein noch einmal: Also nicht singen!" Der Rittmeister verläßt ohne Gruß den Saal.
Unter den Gefangenen herrscht spannungsvolle Unruhe. In den nächsten Minuten muß es sich entscheiden, ob der Rittmeister geschwiegen hat. Ali geht immer wieder an die Tür und horcht. Die Erregung hat auch Welsen ergriffen; er läuft vor der Tür auf und ab.
,, Er kommt!" flüstert Ali, der Schritte hört. Alle blicken auf die Tür.
Meisel tritt ein.
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,, Achtung! A 1, Saal 2, belegt mit 37 Mann, drei Betten frei!" ,, Dietzsch!"
Als habe jeder Gefangene einen Schlag erhalten, so zucken sie zusammen. Der alte Dietzsch tritt vor.
,, Sachen packen! Sie kommen in Einzelhaft! Aber ein bißchen flink, alter Bursche!"
Meisel steht mit verschränkten Armen an der Tür und beobachtet die Gefangenen. Dietzsch rafft mit zitternden Händen
seine Sachen zusammen.
Kalt und sachlich erklärt Meisel: Wird hier noch einmal politisiert, so wird der ganze Saal verarscht!"
An der Tür dreht Dietzsch sich um und ruft:
,, Auf Wiedersehn, Genossen!"
Zum ersten Male verliert Meisel die Ruhe.
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