lange und horcht, wie ausnahmslos ein Gefangener nach dem andern ausgepeitscht wird...
Vorsichtig, damit es nicht plätschert, läßt er dann kaltes Wasser in die Schüssel laufen und wäscht sich im Dunkeln kalt ab. Das lindert. Auch das Gesicht, das von den Hieben heiß und ge- schwollen ist, kühlt er mit kalten Umschlägen.
Aus der Wachtstube hört er bis nach Mitternacht lautes Reden
der Wachtmeister und das helle, lachende Kreischen eines Mädchens.
Wenn der Rittmeister, todernst, die Hände auf dem Rücken, ein- sam und verbissen vor der Zellentür hin und her geht, lächeln die Gefangenen. Am Tage seiner Einlieferung hat er stundenlang kein Wort gesprochen. Was sie wissen wollten, mußten die Mit- gefangenen stückweise aus ihm herausholen. Aber je mehr sie erfuhren, um so neugieriger wurden sie. Besonders der alte Dietzsch interessiert sich für diesen Rittmeister. Immer wieder macht er sich an ihn heran. Der Speck, mit dem er ihn ködert und gesprächig macht, heißt: Kriegserlebnisse. Einen ganzen Nachmittag schwelgt er in Erinnerungen. Noch heute hat er jedes kleine Nest an der damaligen rumänischen Front im Gedächtnis; er erinnert sich jeder Station der Bahnstrecke Budapest - Bukarest , ebenso der Offiziere seines Bataillons, ihrer sozialen Stellung, ihrer Vorzüge und Nachteile. Der Rittmeister wird, ohne sich dessen recht bewußt zu werden, gesprächig. Er glaubt, eine ver- wandte Seele gefunden zu haben. In einer Ecke des Saales er- zählt er Dietzsch von der Schmach, die man ihm angetan hat. „Hätten sie mich geohrfeigt, getreten, ausgepeitscht, das über- windet man, das vergißt man. Aber den Schimpf, den mir dieser Kerl von Sturmführer angetan hat, den werde ich nie vergessen.-
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