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Kreibel klopft Torsten in die Zelle:„ koltwitz hat- sich- erhängt".
Torsten, der gerade bei seiner Morgengymnastik ist, setzt sich auf den Boden seiner finsteren Zelle. Haben sie es also doch fertiggebracht. Zirbes und Meisel haben erreicht, was sie sich vorgenommen haben. Koltwitz hat sich erhängt...
Krank war er, ins Krankenhaus wollte er... Und diesen kranken, gebrechlichen Menschen haben sie geschlagen, immer wieder viehisch geschlagen...
Der Heildiener Brettschneider kommt. Lenzer geht ihm entgegen. ,, Hast du ihn schon abgeschnitten?"
, Wie komm ich dazu. Der stinkt ja wie die Pest!"
,, Dann muß er sich ja schon gestern abend erhängt haben?"
,, Hat er auch!" bestätigt Lenzer.
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Woher weißt du denn das?"
,, Na- ich denk' mir so. Der hat Angst vor Prügel gehabt." Der Kalfaktor muß die Leiche halten. Der Heildiener schneidet den Strick durch. Sie schleppen die Leiche auf den Korridor. Lenzer hat auf dem Zellentisch Briefe entdeckt. Er betrachtet sie und liest darin. ,, Liebster Fritz!" ,, Mein liebster Mann!"
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Und dann Verse. Er liest: ,, Vögel fliegen groß und klein. Immer, immer fliegen sie zu zwein. Werde ich dich wiedersehen?".- Ach ja, denkt Lenzer sie haben Gedichte zusammen gelesen. Wie Kinder, wie Verliebte. Komische Leute gibt's. Einige Stunden später telefoniert Scharführer Riedel mit Frau Koltwitz.
,, Entschuldigen Sie, gnädige Frau, ich persönlich kann doch nichts dran ändern... Nein, auch die Lagerleitung nicht... Ich sagte Ihnen doch bereits, daß die Beschlagnahme der Leiche Ihres verstorbenen Mannes von der Staatspolizei angeordnet wurde. Mit der müssen Sie sich in Verbindung setzen... Nein, der Lager
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