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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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,, Schöne Schweinerei! Hast selber schuld, mein Junge! Aus­drücklichst ist gesagt worden, daß aus dem Fenster sehen ver­

boten ist!"

Zirbes und Harms stehen unschlüssig in der Zelle. Verfluchte Scheiße, hat man noch Scherereien durch diesen Idioten!"

Zirbes sieht Harms an. Was machen wir?"

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,, Bringen wir ihn runter und holen den Heildiener. Was sollen wir sonst machen!"

,, Kannst du aufstehn?... Na, denn man hoch und mitkommen! ... Nimm das Handtuch und halt es dir vors Gesicht, sonst ver­schmierst du die Korridore und Treppen!"

Vor Schmerzen gekrümmt und leise wimmernd folgt der An­geschossene den Wachtmeistern die Treppen hinunter nach der

Station A 1.

,, Da bleib' stehen!" Zirbes weist ihn an die Wand. ,, Oder setz' dich auf den Boden, wenn du nicht stehen kannst!"

Der Gefangene läßt sich an der Wand auf den Steinboden sinken. Mit beiden Händen drückt er das blutdurchtränkte Hand­tuch vor das Gesicht. Er klagt nicht, schreit nicht, nur ein mono­tones Wimmern dringt durch Handtuch und Hände. ,, Der Heildiener ist nicht da!" Harms steht am Telephon. ,, Verfluchte Scheiße!... Dann mußt du den Dr. Hartwig an­rufen!"

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Welche Nummer hat der?"

,, Das weiß ich auch nicht! Ich kann doch nicht die ganzen Telephonnummern im Kopf behalten... Ruf doch noch mal drüben an. Wenn der Heildiener nicht da ist, soll ein anderer kommen. Irgendeiner, der was vom Verbinden versteht!" Eine Stunde verrinnt, es kommt keiner, der dem Verletzten hilft. Der liegt an der Korridorwand und stöhnt:" Helft mir doch! Helft mir doch!"

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