habt zu haben, daß Tetzlin dem Kurier ein Schiff nach Kopen­ hagen verschaffen wollte."

,, Der hat sich eigentlich schnell bequemt zu gestehen!" wirft

einer ein.

Der SS- Mann Harms, Oberscharführer, verbummelter Student, Sohn eines bis vor kurzem noch gutsituierten Taxifahrers, sitzt auf der Fensterbank, schlenkert mit den Beinen und grinst über das Diktatdeutsch des Sturmführers. Mein Gott, denkt er, wenn man Sturmführer ist, muß man doch wenigstens drei Sätze rich­tiges Deutsch diktieren können. Der stottert sich ja ein blamables Zeug zusammen. Was heute alles Sturmführer werden kann?! Einige erhaltene Messerstiche und ein umgelegter Kommunist qualifizieren einen Menschen doch noch nicht zum Vorgesetzten. Wenn die da oben den Bericht lesen. Schauerlich! Oberschar­führer Harms verschränkt die Arme und betrachtet überlegen den Sturmführer, die kurze, gedrungene Gestalt, das rötliche, ge­dunsene Quadratgesicht, die durch einen Fausthieb verunstaltete, schiefe Nase und das tief in die Stirn gewachsene, struppige

Haar.

Der Sturmführer hat seinen Bericht fertig; betont energisch dreht er sich um: ,, Und daß heute abend jeder zur Stelle ist; es ver­spricht äußerst interessant zu werden!" Dann verläßt er mit dem Bericht das Zimmer.

,, Ein Deutsch, zum Quieken!"

,, Mensch, Rudi, halt doch bloß die Fresse!"

Was soll diese ewige Stänkerei? Der Kurt ist so' ne Prachtseele. Scheiß an sein Deutsch. Er ist ein Kerl, das genügt!" Natürlich Riedel, denkt Harms, die halten zusammen wie Pech und Schwefel. Der wird bald Oberscharführer werden. Wahr­scheinlich wird er dem Dusenschön alles haarklein wiedererzäh­len. Schadet nichts. Der blamiert uns ja alle. Neulich, als er den

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