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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
Seite
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über die abgeernteten Felder, preschen die Hundert­schaften der Kosaken .

Yorck fühlte das Glück wie eine machtvolle Sicher­heit. Die Müdigkeit, die nie ganz von ihm wich, trieb ihn zum Sprechen. Er wollte in diesen Stunden den anderen nahe sein, wie er das erfülltere Leben sich nahe fühlte. Sein Nachbar lächelte ihm zu. Yorck be­trachtete neben seiner Wange die Fensterscheibe, an der Regentropfen sich sammelten und vom Winde weggerissen wurden.

und es ergreifet ihr Schicksal den, der es leidet und zusieht..." sagt er plötzlich laut. Der andere wendet sich zu ihm und beendet, in gedämpftem Ernste lächelnd:

und ergreifet den Völkern das Herz." Der Wagen macht eine jähe Schwenkung. Wohin? denkt Yorck, während eine unwiderstehliche Kraft ihn nach rechts drückt. Gibt es denn keinen Halt? Er fühlt einen schrecklichen, nicht endenwollenden Sturz, der ihn blendet, der nicht aufhören will, ihn zu blen­den...

Er war ganz wach, in dem letzten, furchtbaren Wach­sein seines Lebens. Es war die weite Sandfläche, die er zuerst erkannte. Sie war nicht mehr rostrot, sondern von einem Grau, als ob es nie eine Sonne gegeben habe. So war er also nicht befreit worden, hatte nicht zu Anna und dem Freiherrn gesprochen, war nicht in das große Land entkommen, in dem man alles ganz verstanden hatte: Ehre, Treue, Pflicht, Heimat. So war er also nicht zurückgekehrt...

Yorck, an der Schwelle des Todes. fühlte keinen Schmerz und hatte keine Furcht mehr. Der Tod hatte

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