Ahnherr einst die Schlachten des großen Friedrich geschlagen hatte. Er sah vertraute Uniformen, gespannte Gesichter, wurde Männern vorgestellt, deren Namen er insgeheim so manchesmal vernommen hatte, Männer einer Partei, die ihm von jeher als der Inbegriff des Vaterlandslosen, des Übels, des unter keinen Umständen Annehmbaren dargestellt worden waren. Tief angerührt hörte er diese Männer Dinge beim Namen nennen, die er nur zu ahnen gewagt hatte, in grenzenlosem Erstaunen begriff er, daß sie die ganzen Jahre hindurch um das Gleiche gebangt hatten wie er selbst, nur war alles von ihnen schon ganz durchdacht und entschieden worden. Er dachte an sein Zögern, seine Zweifel und verstand sich kaum mehr. Sie lauschten seinem Bericht. Es fiel ihm schwer zu sprechen, Namen zu nennen, oftmals verwirrte sich wieder alles in ihm. Die Erschöpfung wollte nicht von ihm weichen, obwohl er froh war, unendlich erleichtert. Selten gedachte er seiner Flucht, mit Anstrengung entsann er sich manchmal Annas oder des Freiherrn . Aber die Zeit verwirrte sich ihm, er zählte nicht mehr die Tage, die Wochen, die Monate, und gelegentlich hätte es ihn nicht verwundert, zu erfahren, daß seit seiner Ankunft ein ganzes Jahr verstrichen sei. Er fühlte sich von einer mächtigen Bewegung umgeben wie ein Träumender auf einer Barke. Aus dieser Bewegung leuchtete hier und da ein Antlitz hervor, ein Gespräch, eine Frage, eine Landschaft, in der er sich aufhielt. Manchmal, sich unvorsichtig umwendend, spürte er den Schmerz in seinem Hals, aber an die Umstände, unter denen er sich diese Schmerzen zugezogen hatte, erinnerte er sich nur nebelhaft und ungern.
89


