fragte Yorck ahnungsvoll, worauf jener erwiderte, es gäbe nur eine Rettung: die Durchquerung der deut schen Linien im Osten und die Flucht nach Rußland , wo der dem Tode Entronnene mit den aufständischen Generälen in Verbindung treten würde. Yorck fühlte sein Herz in Freude und Bedrängnis stürmisch schlagen, während er in ruhigen Worten dem Freunde dankte. Der Freiherr versicherte, alles sei aufs beste vorbereitet, die Abreise auf den kommenden Tag festgelegt, die Überquerung der Weichsel gesichert. Als einige Stunden daraufes dämmerte schon- Anna bei ihm eintrat, schritt er ihr schnell entgegen, um sie von seiner Abreise zu unterrichten. Aber sie neigte das Haupt zum Zeichen, daß sie bereits wisse. Er führte sie zu einem Stuhl in der Nähe des Fensters. ,, Ich vermute, es wird das Beste sein für dich", sagte sie förmlich. Er sah, sich vorbeugend, ihre junge und etwas hinfällige Schönheit. Der Kontrast zwischen dunklem Haar und blaugrünen, sehr leuchtenden Augen, ihr durchsichtiger Teint hatten ihn eines Tages bezaubert, ihr etwas gedrücktes, ungesprächiges Wesen belebte immer von neuem seine Teilnahme. Er betrachtete ihre abfallenden Schultern, die schön gebildete Fläche von Wange und Schläfe und fühlte sich unbegreiflich gerührt. Wieder empfand er die leise, fremde Erregung und Niedergeschlagenheit bei dem Gedanken, dieses unbekannte und nie zu erreichende, ihn nie erreichende Wesen zu lieben.
Aber während er zu ihr sprach und ihr die Notwendigkeit seiner Flucht auseinandersetzte, fühlte er, daß sie ihm entglitt. Unwiderruflich, dachte er und wußte nicht, ob er es ausgesprochen hatte. Ihm war, als löse
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