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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
Seite
78
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lie& la chute du sanglant Bonaparte. La liberte est en marche. Permettez, que je vous embrasse...

Wieder die fernen Trompetenstöße. Oder war es der Beethovensche Yorckmarsch?

Aus seinen Träumen emportauchend, hörte er wie eine Antwort die Worte des Freiherrn :Sie haben es gewagt. Sie gingen bis zum letzten. Eine Pause, Yorck kämpfte gegen das Versinken, sein Hals schmerzte, er war unaussprechlich müde, doch zugleich wußte er, er würde nicht schlafen können.

Der Freiherr sagte:Seydlitz.

Yorck blieb stumm. Er lauschte begierig auf alle Laute, die an sein Ohr drangen: das schwere Atmen des Freiherrn , Schritte im Gang, die gedämpft näher kamen und vergingen, den gemächlichen, hohlen Schlag der Standuhr.

Neu stellen, die Frage: das heißt Vaterland, Pflicht, Ehre, Eid neu erleben, neu denken. Einmal diese ver- dammten Türen durchbrechen: Angst vor der Ahnung, dem Denkenmüssen, Furcht um die Privilegien... Ich las Michelet in diesen Wochen. Der vierte August, weißt du? Diese unerhörte, welterschütternde Nacht, die Grafen und Barone in Bürger eines Landes um- bricht.Söhne einer Nation, die sich zur ersten macht, weil sie für die Freiheit aller Nationen kämpft.

Der Freiherr hatte sich halb erhoben. Yorck sah ver- wirrt ein unbekanntes Zucken auf seinem Gesicht.

Das war Frankreich !... Und wir? Unser SS -Pöbel erschießt die Kinder von Charkow .

Sie haben recht, wiederhole ich. Mit Reichstags- abgeordneten, Kommunisten sich an einen Tisch setzen... Wie weit mußte es erst kommen, daß unser-

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