Zeug nachgedacht. Achtzehn, als ich aus dem Felde kam, wählte ich sozialdemokratisch, das sag ich Herrn Grafen ganz offen... Später hab ich’s sein lassen, da wählte ich gar nicht mehr.‘—„Sagen Sie, Wernicke, glauben Sie, daß das alles einen Sinn hat? Sie und ich... Ich meine, wozu leben wir eigentlich?“— „Herr Graf stellen schwierige Fragen... Ich bin man bloß ein ungebildeter Mann. Man lebt, um zu arbei- ten. Tut seine Pflicht, nicht?... Und außerdem ist das alles heutzutage ja sowieso verboten, ja...“— „Vor vier Jahren, als wir in Berlin waren, Vater und ich, sahen wir so einen Kommunistenumzug... Arbeit und Brot! schrien sie immer. Und: Nieder mit den Kriegsbrandstiftern!... Das war so komisch für mich. Vater schimpfte. Aber ich merkte doch, wie elend die
aussahen. Und so ernst...“—„Ja, Herr Graf, davon wird es auch nicht besser.‘—„Wer weiß... Man müßte mehr wissen, Wernicke. Sprechen können mit jemand, der sich auskennt....“ Seine Augen sind ver-
schleiert, die Reitgerte trifft den Stiefel.„Ich bin müde, Wernicke. Also, zurück...“
York sah nun wieder den Freiherrn vor sich, der immer noch sprach. Anna sagte kein Wort, sie hielt den Kopf gesenkt. Mit halbgeschlossenen Augen lauschte Yorck dem Reden seines Freundes, das wie das Rauschen eines Gewässers an sein Ohr drang.
»».. die Frage neu stellen. Aber wer stellt sie neu? Bei uns hat keiner den Mut. Oder fehlt es einfach an der Erkenntnis, sagen wir, an der zur Erkenntnis not- wendigen Geistesschärfe? Was wir Mut nennen, ist
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„Ja, Herr Graf, ich hab noch nicht weiter über das.


