sie dienten der Selbstverständigung und bewiesen die Möglichkeit menschlicher Beziehungen jenseits des Kreises von Verstellung, Ermüdung und verpflichtendem Opfer, in dem sie sich zu bewegen pflegen.
Reichmann hatte sein Atelier in einem alten Haus in der Rue de La Harpe. Er verbrachte seine Tage nicht ohne ein gewisses Glücksgefühl bei der Arbeit, mit wenigen Menschen und Gesprächen, mit unsteten Wanderungen durch die Bars des Montparnasse und in Ausstellungen. Er verdiente wenig Geld, jedenfalls genug, um nicht hungern oder der Bitterkeit anheimfallen zu müssen, die unerfüllte Wünsche allmählich in uns wachsen lassen.
Reichmanns Kunst, eine Wunderwelt von Graswäldern und submarinen Landschaften, die unter Glas den Glanz zauberkräftiger Steine annahmen, war nur einem kleinen Kreis von Kennern bekannt. Jedes Jahr veranstaltete der Maler eine Ausstellung, und die handgroßen Aquarelle bereicherten jedesmal einige private und öffentliche Sammlungen diesseits und jenseits des Ozeans. In seiner Heimat hatten indessen politische Umwälzungen die unerfreulichsten Folgen für Leute seiner Art und Arbeitsweise gehabt, und dieser Umstand hatte ihm endgültig jeden Gedanken an eine auch nur vorübergehende Rückkehr ausgetrieben.
Die letzten im Trunk verbrachten Tage konnten der Vorbereitung der jährlichen Ausstellung gefährlich werden. Am Schanktisch stehend dachte er finster an die bevorstehende Woche, die ihn von dem wichtigen Eröffnungstag trennte. Er verlangte einen zweiten Aperitif. Der Mann hinter der Theke klagte über die Hitze. Reichmann nickte gedankenlos. Paris glich einer
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