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der rot dumpf zum Kopf schießenden Wut und Scham des Betrogenseins, gingen die Gefangenen erleichtert an die Arbeit. Das Gesicht ihres Gegners stimmte wieder. Ja, so sah es aus, wie sie es kannten, wie sie es immer vor sich gesehen hatten, roh, brutal, gemein und sie wußten wieder, es geschehen keine Wunder, die Welt geht weiter, und dieses Gesicht wird es sein, dem sie gegenüberstehen werden am Tag der Abrechnung. An diesem Bewußtsein konnte auch das Rätsel des Priesters nichts ändern, das sich ihnen erst einige Zeit später löste und ihre Haltung glänzend rechtfertigte. Das kirchliche Begräbnis war auf den Druck der Bevölkerung zurückzuführen, die von den zahlreichen Erschießungen in Esterwege Wind bekommen und in verschiedenen Eingaben an die Behörden ihrer Empörung Luft gemacht hatte. Seit dieser Zeit hatten die Erschlagenen in Esterwege an einer normalen Krankheit gestorben zu sein und behördlich registriert, mit den Segnungen der Kirche versehen, in den Himmel zu treten. So reihte sich auch diese Anordnung würdig in die Reihe aller andern ein und rundete das Charakterbild der Esterweger Lagerleitung auf das trefflichste ab.
Der fünfte unter den acht Zurückgebliebenen aber war der Schreiner . Und zum erstenmal seit seiner Einlieferung regte sich unter der Kruste seiner Angst und Furcht ein anderes Gefühl. Tief im Schacht seines verschütteten Innern flammte es auf wie ein zaghaftes Licht im Stollen das Gefühl für die Ungerechtigkeit, die ihnen allen angetan
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