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˜Eineœ Fuhre Holz / Wolfgang Langhoff ; Einband und Illustrationen: Georg McKing
Entstehung
Seite
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Nachdenklich ging der Schreiner an sein erstes Tagewerk. Neben ihm arbeiteten drei andere Kame­raden, ruhige, ältere Männer, die schon lange im Lager waren.

Sie wählten das Holz, vermaßen es und schnitten es zurecht für den Sarg.

Es wurde wenig gesprochen, sie waren sparsam mit ihren Worten. Halbe Sätze, kurze Bemerkun­gen, und auf die Frage des Schreiners, ob man wohl jemals den Namen des Mannes, für den sie den Sarg zimmerten, erfahren würde, antwortete der Älteste:

,, Heute mittag werden wir ihn wissen."

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Wie denn?"

,, Es gibt Wege."

Mehr sagte er nicht. Ein Gefangener muß schwei­gen können, ehe er nicht weiß, ob ein Freund und Genosse vor ihm steht.

In Wahrheit war an diesem Morgen das ganze Lager in fieberhafter Bewegung. Nach außen bot es das gewöhnliche Bild. Aber unter der Ober­fläche der Verordnungen, Regeln und Wachvor­schriften, der eisernen Strenge, der Disziplin, der Strafen und grausamen Gewaltmaßnahmen sah es aus wie in einem von Ameisen zerfressenen Bau: Unendlich feine Kanäle zogen kreuz und quer da eine Erfahrung, eine Beobachtung, dort ein Lächeln mit einem Wärter, ein flüchtiges Wort, ein kleines Geschenk, ein unbelauschtes Gespräch über Politik, ja selbst geheime Verbrüderung mit einigen Unzufriedenen aus der Wachmannschaft,

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