den Kampfes, dem er die Ohnmacht und das Ver- sagen, das ewig hoffnungslose Unvermögen der
eigenen Befreiung seiner Klasse zuschrieb, und ver-
bittert dachte er: Auch hier.— So war es und so
wird es bleiben. Und dafür habe ich mich ein-
sperren, schlagen und foltern lassen...
Die Reihe der aufeinanderfolgenden Ereignisse jenes Samstages, deren Zeuge der Schreiner wurde, und die durch ihre merkwürdigen und seltsamen Umstände eine so grundlegende Wandlung in ihm hervorriefen, soll hier verzeichnet werden, einfach und klar, so wie sich alles zugetragen hat.
Um sieben Uhr rückte die Moormannschaft zur Arbeit aus. Als der übliche Befehl zum Singen er- teilt wurde, verweigerten die Gefangenen zunächst den Gehorsam, und erst auf die zweite, heftige Auf- forderung des Truppführers begannen die an der Spitze Marschierenden mit lauter, klarer Stimme:
„Ich hatt’ einen Kameraden..."
Alle sechshundert Mann der Kolonne fielen ein. So marschierten sie ab.„Er ging an meiner Seite...”— erklang es vor der Kommandantur- baracke—„im gleichen Schritt und Tritt‘.
Die zurückgebliebenen Handwerker, darunter auch der Schreiner , hörten klopfenden Herzens den Gesang, bis sie selbst zur Arbeit eingeteilt waren und auf ihre Plätze mußten. Sie blickten den Da- vonziehenden nach, die weiße Morgendämmerung hatte sie bereits verschluckt, von der Kanalbrücke her kam es leise durch den Nebel:„Kann dir die Hand nicht geben...“
20


