Druckschrift 
˜Eineœ Fuhre Holz / Wolfgang Langhoff ; Einband und Illustrationen: Georg McKing
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
  

Zelle, die den toten, unbekannten Kameraden barg. ein scheues Streichen über

Ein stummer Gruß,

die Stirne dessen, der ausgekämpft hatte...

Fremde Gäste sind geheimnisvolle Gäste, auch als Leichen. Daher geschah es, daß sich die große Gefangenenfamilie im Börgermoor fühlten sich

-

--

alle als eine große Familie fast ausschließlich mit dem Toten und seinem Schicksal beschäftigte und darüber den neueingelieferten lebenden Gefan­genen vergaß oder sich zum mindesten nicht so um ihn bekümmerte, wie es sonst unter ihnen üblich war. Der tote, unbekannte Gast, der nur für diese Nacht in ihrer Mitte weilte, überschattete den Lebenden, ihm schlossen sich ihre Herzen auf, und ein Lager wurde ihm dort bereitet, so zart und weich, wie der Boden der Arrestzelle hart war. Sie kannten das Schicksal des Toten. Sie errieten es, ja, sie sahen seine letzten Minuten vor sich, in einjähriger Gefangenschaft hatten sie schon man­chen gesehen, der, von der Rache seiner Wärter verfolgt, wie ein gehetztes Wild sein Leben mit sich schleppte, bis er eines Tages erschlagen, er­schossen, zu Tode gequält erlöst ward. Und seinen Namen schrieben sie in ihr Gedächtnis. Denn dies ist gewiß:

-

Die Überlebenden werden einst in die Ohren der Mörder schreien: Wo ist der? Und wo ist der?

Den habt ihr im Moor erschlagen!

Darum muß ein toter Kämpfer im Börgermoor einen Namen haben und darf nicht fremd und un­bekannt in seiner Zelle liegen. Und es wurde be­

12