Tränen glänzten in ihren Augen und ich empfand ein grenzenloses Mitleid mit den armen zum Sterben verurteilten Geschöpfen. Dennoch ließ ich mir nichts merken und versuchte, ihr den Gedanken auszureden; doch die Überzeugung, daß das Ende bevorstehe, war zu tief in ihr verankert. Als wir voneinander schieden, sagte sie mir:
,, Ich weiß, Sie meinen es gewiß gut. Verlassen Sie sich darauf: man wird uns töten, wie so viele von uns getötet worden sind."
Sie trug bei dieser Unterredung ein rotes Kopftuch. Ich fand es am Morgen nach ihrem Abtransport zwischen den anderen Frauenkleidern vor der Gaskammer, nahm es als Andenken an mich und habe es aufbewahrt, bis ich nach Pelters kam.
Auf diese Art und Weise sind viele tausend unglücklicher Menschen ermordet worden, deren einzige Schuld es war, daß sie infolge ihrer Geburt in der Rassentheorie des Nationalsozialismus auf der Minusseite standen und also ausgebucht werden mußten.
Was in Natzweiler im kleinen Maßstabe betrieben wurde, geschah in anderen Lagern, in Auschwitz , Lublin , Buchenwald und so weiter in größtem Ausmaẞe. Ein deutscher Zigeuner, dem ich später im Lager Allach begegnete, und der auf Grund seiner sonstigen Lebensführung durchaus glaubwürdig war, erzählte mir, daß man in Auschwitz innerhalb von vier Monaten ungefähr zweihundertfünfzigtausend nein, es ist kein Druckfehler: zweihundertfünfzigtausend! Balkanjuden durch die Gaskammer ge
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