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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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mußten furchtbar und quälend gewesen sein. Aber einer, so sagten seine Leidensgenossen, hat uns immer wieder mit Mut erfüllt und mit fortgerissen, nämlich unser lieber Mitbruder Prassek. Ich habe ihn nie traurig gesehen. Er hat auch schwere Todesnöte und innere Seelenkämpfe durch- machen müssen. Er litt besonders darunter, daß er sich vielleicht schuldig gemacht habe, in der Seelsorgstunde sich für christkatholische Sitte und christkatholischen Glauben so offen und furchtlos eingesetzt zu haben. Es schien mir auch oft so, als wenn der Teufel ihm da besonders zusetzte, aber er'war so tief und fest in dem Glauben an Jesus Christus verwurzelt, daß er nicht schwankte und wankte, nie verzagt und nie mutlos wurde, selbst nicht in der letzten Stunde seines Lebens. Er bat um das Kreuz, als er für den Gang zum

Schafott fertig war. Ich reichte ihm das Kreuz und er küßte es mit der größten Innigkeit. Dann gingen wir, und als wir nahe bei der Tür ange-

kommen waren, die in den Raum führte, wo sich das Schafott befand, berührte er mich mit seinem Ellenbogen und sagte:Herr Pfarrer, nun Gott befohlen, ich bin überzeugt, daß ich in die An- schauung Gottes gehe, darum sterbe ich zuver- sichtlich. Ich werde auch für Sie unablässig beten, bis wir uns im Himmel die Hand gereicht haben, darauf können Sie sich verlassen, aber daß Sie doch ja nicht vergessen, den Lübeckern zu sagen, daß ich in echt priesterlicher Weise an sie denke in alle Ewigkeit,

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