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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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ein, denn die damit verbundene Wahrheitswelt ist wesentlicher Bestandteil der geistigen und praktischen Existenz des christlichen Lebens. Das Buch von Huizinga über ,, Erasmus von Rotter­ dam " hat mich stark angezogen. H. sieht ihn als äußerst kompli­zierte, als tragische Natur. Jedenfalls gehört er als Humanist in sehr bewegter Zeit zu der ziemlich seltenen Gruppe derjenigen Menschen, die zugleich unbedingte Idealisten und durch­aus Gemäßigte sind. Beide Eigenschaften in einem Cha­rakter vereinigt, das gefällt mir, und darum mein besonderes Interesse für ihn.

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Wir hörten wieder einmal nach langer Pause klassische Musik: Borodin, Mozart , Dvorak ein Sonnenstrahl huschte über den Alltag. Trotz der dreiwöchigen Reise erhielt ich heute, da ich diese letzten Zeilen schreibe, das in Eurem Brief erwähnte Paket Nr. 12 als eine höchstwillkommene Gabe. Ich verbinde mit diesen Zeilen die Hoffnung, daß Ihr die bisherigen furchtbaren Tage glücklich überstanden und vielleicht in der Nähe unserer Gräber bleiben könnt, damit sie zu Allerseelen nicht so vereinsamt und ungepflegt bleiben. Im Gedenken an Mutter und an unsere Toten

alle Vater.

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Dachau , 3 K, den 22. 10. 1944

Heute, da ich diesen Brief beginne, ist ein voller Monat ver­gangen, seitdem Ihr den gemeinsamen Brief geschrieben, den letz­ten, den ich von Euch erhielt. Seitdem habe ich nichts mehr von Euch gehört. Ich selbst schrieb unter dem 24. 9. Dennoch hoffe ich zuversichtlich, daß Ihr auch in den schrecklichen Gewittern der letzten Wochen heil geblieben seid. Wahrscheinlich habt Ihr geschrieben und Euer Brief hat mich noch nicht erreicht. Wie dem auch sein und werden mag, für uns schickt sich nur eins: zu bitten um die Kraft, das zu tragen, was uns auferlegt ist. In diesem Sinne habe ich die Texte der Messe des heutigen Sonntags aufgenommen. Neben dem frühen Sterben von Professor Don­ders- Münster beklage ich betrübten Herzens den Tod des guten

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