Druckschrift 
Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen

t

0

4

tt

e.

n

as

S

-

verhärtet ist, wärme, was erkaltet ist, lenke, was da irre geht! Alles, was ich für mich, für Euch, für die uns nahe sind, erbitte, ist hierin enthalten. Schade, daß meine Briefe so lange unterwegs sind. Was die erwähnten ,, Sorgen, Nöten und Aufgaben" angeht, so verstehe ich schon. Indes, liebes Kind, das alles gehört zum Leben. In der Art, wie wir damit fertig werden, zeigt sich, ob und was in uns ist! Also: Nur immer guten Mut.

Dachau , 3 K, den 26. 8. 1944

,, Es

Ein blaẞblauer Sonntag steigt herauf. Wäre es ein Tag in friedvoller Zeit! Indes, der Weg bis dahin geht noch über manche Steilwand. Da man nicht weiß, wie lange die Briefe zur Zeit un­terwegs sind, will ich heute schon an den Patronstag des 17. Sep­tember denken. Von der heiligen Hildegardis las ich: schwankte ihr Leben zwischen Glück und Unglück, ohne im Glück übermütig zu werden, noch im Unglück zu verzagen. In allem behielt sie ein und dieselbe Zuversicht." So sollte man einmal von Dir, wie von uns allen sprechen können. Und merke Dir von ihr nur den einen Ausspruch und behalte ihn tief im Herzen: ,, Gott läßt niemanden zugrunde gehen, der auf Ihn vertraut." Er segne Dich und schenke Eurem Lebensbund frohes Wachstum in eine friedliche Zukunft hinein! Alle angekündigten Päckchen sind da. Ausgezeichnet. Nun bin ich gut eingedeckt. In hellen wie in dunklen Tagen Eurer treu gedenkend

-

-

Vater.

-

NB. Ich mache darauf aufmerksam, daß jegliche Zusendung von Briefen, Geld, Bildern usw. in Häftlingspaketen, offen oder versteckt, verboten ist. Bei Zuwiderhandlungen wird künftig das betreffende Paket beschlagnahmt und gegen den Absender Straf­anzeige erstattet.

Dachau , 3 K, 24. 9. 1944

Wo, wann und wie wird dieser Brief Euch antreffen? Ich weiß es nicht. Dennoch schreibe ich wie immer, selbst auf die Gefahr hin, daß der eine oder andere der Briefe Euch nicht erreicht. Es ist eben so, daß ich in den Briefen zu Euch spreche, und das werde ich im Rahmen unserer Schreiberlaubnis unentwegt

181