zum Beginn! Von dem großen Humanisten, dem Basler Jakob Burckhardt , las ich noch ,, Die Kultur der Renaissance in Italien", wie ich glaube, mit Nutzen. Wie wenig weiß man doch, trotz relativ langem Leben! Und immer staunt man aufs neue vor der Entdeckung: Alles, aber auch alles schon dagewesen!...
Sie gehören beide zu der Familie, von der ich bestimmt annehme, daß sie den Sinn für vergangene Tage und das Andenken an die Menschen in ihr treu zu bewahren versteht. Den Sterbetag des 1. Dezember werdet Ihr in pietätvoller Erinnerung begehen. Ein Mensch zeigt, was er ist, in dem, was er nicht vergiẞt! Ihr habt eine gute Mutter gehabt; sie hat für ihre Kinder und für mich mehr getan, als Ihr wissen könnt. Der einzig ausreichende Trost für ihren frühen Heimgang ist wohl in dem Hinweis auf die Dinge gegeben, die danach kamen. Die Sorge um uns alle hätte sie zerbrochen. So war es doch jene große Gnade, die allen innerlich Vollendeten zuteil wird, daß sie früher sterben konnte. Sie hätte auch so sprechen können, wie die Mutter in dem bezaubernd schönen Büchlein des Chinesen Cheng Tscheng ,, Meine Mutter"( aus dem Französischen mit einem Vorwort von Paul Valery , 1929): ,, Um groß zu sein, muß man leben und leiden. Wenn Ihr am Ende des Lebens und auf dem Gipfel des Leidens sein werdet, dann werdet ihr groß sein!" Ich höre jetzt hie und da und im Krankenbau ganz feine Kammermusik eines ausgesucht guten Quartettes( Schubert, Mozart , Beethoven ) und finde dabei bestätigt, daß die Musik, mehr als jeder andere Kunstzweig, den Charakter einer Zeitepoche angibt! Welch eine Wandlung seitdem! Und es geht dabei um mehr als um den Geschmack!... Nein, am Gedenktag ist man nicht allein. Es gibt Kameraden, die daran denken. Einige Einfälle waren wirklich drollig und originell. Schließlich: je bedürfnisloser man wird, um so größer die Freude...
-
Dachau , 3 K, 11. 12. 1943 Meine Literaturhinweise sollen keine schulmeisterliche Tendenz haben, sondern jeweils Ersatz sein für geistigen Austausch und
176


