und Ueberirdisches, Leben und Tod geschaut hat. Was er über Bildung, Charakter, Sittlichkeit, über Lebensfreude und die Erhaltung des seelischen Gleichgewichts und über Religiosität und Christentum sagt, ist so ausgezeichnet, wahr und fein gesehen, daß ich staunen muß, wie wenig er genannt und zitiert wird. Sein Büchlein scheint mir ein zuverlässiger Helfer zur Selbsterkenntnis und Selbsterziehung zu sein.
Ich denke so oft darüber nach, wie ich Euch, wenn auch in der Trennung, in Eurem Streben nach geistiger Formung wenigstens hinweisend helfen, d. h. als Vater auch etwas nachholen könnte. Es ist wohl providentiell, daß ich es unter den heutigen Umständen versuche, wo ich alles gelassener empfinden kann als früher. Nicht, als ob ich etwa lebensmüde geworden wäre, o nein! Da fühle ich mich ganz eins mit H.:,,Ueberd ruẞ am Leben, Stumpfheit an seinen Freuden, Wunsch, daß es enden möge, haben mit meiner Einsamkeit nichts gemein". Wie gesund, diese Lebensauffassung! Man könnte aus H's. Briefen ein Betrachtungsbüchlein zusammenstellen, das am Ende neben Franz v. Sales einen Platz fände. Jedenfalls, viel von dem, was ich Euch und Euren Geschwistern auf Euren Lebensweg zurufen möchte, ist hier gut gesagt.
Wir nähern uns Allerseelen, und da finde ich gerade bei ihm die schöne Stelle: ,, Da der Gedanke an die Verstorbenen mit allem dem zusammenhängt, was sie im Leben umgab, so sind sie, statt vom Leben abzuführen, vielmehr immerfort Verknüpfungsmittel mit demselben. Es gibt in jeder Lage noch immer Gegenstände, an welchen man sich die Verstorbenen als teilnehmend vorstellen kann." Denkt auch daran, wenn Ihr an Allerseelen an unseren Gräbern steht. Im Geiste gehe ich mit Euch...
Was den ärztlichen Beruf angeht, so denke ich sehr hoch von ihm, d. h. vom Arzt, was mehr besagen will, als bloẞ ,, Mediziner" sein. Du wirst hierüber Ausgezeichnetes finden in dem Buch von Paul de Kruif : ,, Kämpfer fürs Leben".( Von großen Naturforschern und Aerzten.) Lies es! Und nun: Gott befohlen
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