Sie begründen unter anderem das Einsamwerden aus dem Grunde, weil„die Jugend eben dem entgegenläuft, von dem die Alten zu- rückkommen”. Es gibt indes auch ein wohlgesegnetes Alter, wie es ein: Sterben gibt zur rechten Zeit. In beiden ist Gnade... In diesem Monat jährt sich wieder der Tag unserer Trennung. Eine Unsumme von schmerzlichen Erfahrungen, seltsamsten Fügungen und tröstlichen Wendungen schließen die drei Jahre in sich ein! Wahrhaftig: keine verlorene Zeit! Dachau , 3K, 18. 9. 1943 ... Lese zur Zeit Isolde Kurz :„Vanedis”, Schicksalswege einer Frau, ein geistiges und ein reines Buch, mit etlichen bizarren Aus- ladungen, aber im Kerne gut, voller Lebensweisheit und guter Sentenzen! Und ein französischer Roman„Les hommes de la route” machte mir Freude. Das sind die Menschen, die wir in Venthon und in Ugines sahen: einfach, schlicht, mit ihren kleinen und gro- Ben Kümmernissen.— Kennt Ihr die Briefe von Wilhelm von Humboldt an eine Freundin(1814-1834)? Schön, in Wesen und Art, dieser durch 20 Jahre hindurch währende geistige Austausch des älteren Mannes und Vaters mit einer Frau und Jugendfreundin. Menschen wie Humboldt sind wirklich gute Geister, und die Zeit, die sie möglich machte, war eine wahrhaft große Zeit. Ich werde noch darauf zurückkommen...| ka Dachau , 3K, 16. 10. 1943 ... Ein geregeltes Studium ist in unruhigen Zeiten das einzige Mittel, das innere Gleichgewicht zu erhalten. Wenn ich bedenke, warum und in welchem Maße das einem Manne wie Wilhelm v. Humboldt in den umwälzenden ersten Jahrzehnten des 19. Jahr- hunderts gelungen ist, so haben. wir da ein selten gutes Vorbild vor uns. Die Lektüre seiner Briefe war für mich eine Ueber- raschung. Ich fand da Erkenntnisse, Empfindungen und Erfah- rungen niedergelegt, die mir zeitlebens vertraut waren; dabei denke ich nicht zuletzt an die Art, wie er Leid, Schmerz, Schick- salsschläge aufnahm und einbaute in die Ordnung des Lebens,
wie er die innere Verbindun
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sg von Natur und Leben, Irdisches


