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Dachau, 3 K, 28. 2. 1942
... Nun können wir ja regelmäßig zweimal im Monat Austausch miteinander halten. Ich bin darob über alle Maßen froh. Alles, was Euer Leben, Denken und Tun ausmacht, bewegt mich jederzeit. Wie gerne würde ich Ch. in der Bibliotheksarbeit helfend unterstützen. In der Frage, was Arbeiter und Angestellte in der Literatur interessiert und warum das so ist, darüber habe ich auf Grund langjähriger Beobachtung einige konkrete Erfahrungen gesammelt, aber darüber müßte man sich aussprechen können, schriftlich geht das nicht. Wenn Du, liebes Kind, mit wachen Sinnen und hellen Augen in Deiner Arbeit stehst und Liebe zur Sache hast, wirst Du nach und nach schon das Richtige treffen. Mit H. müßte ich mich erst recht aussprechen, welchen Beruf sie ergreifen könnte. Nach den Lagerbestimmungen geht es wohl nicht. So muß sie sich eben weiterhin zwischen Kochtopf, Stubendienst, Haushalt und Professor Bertrams Literaturvorlesungen durchwürgen in der Hoffnung, daß es irgendwann andere Möglichkeiten geben.
könnte...
... Ich bin sehr froh, daß wir uns über die Grundlinien Eures Studienplanes verstehen. Habe inzwischen mit Vätern gesprochen, die ebenfalls Töchter im Studium haben und hatten. Alle betonen die absolute Notwendigkeit praktisch verwertbaren Könnens neben dem theoretischen Studium, z. B.: Sprachen, Stenographie in Fremdsprachen, Maschinenschreiben. H. soll damit sofort beginnen und kursusmäßig und Ch. sollte in Abendstunden etwas zulernen. Haltet mich auf dem laufenden über die Meinung der befreundeten Familien zu Eurem Plan... Morgen werdet Ihr Palmzweige holen und dann rüsten auf das Osterfest. Erinnert Euch, wie es früher war, als wir noch alle beisammen waren, und seht zu, was am ehrwürdigen Brauch noch möglich ist. Allen wünsche ich ein tiefinnerliches Fest der Auferstehung...
... Gründonnerstag. Soeben holte ich Euer Osterpaket ab, das
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