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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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Der erste Teil der hier wiedergebenen Briefe ist im Internie­rungslager( Ilag) XIII- W ülzburg geschrieben; der zweite Teil im KZ Dachau .

In beiden Lagern bestand strenge Briefzensur und Verbot, in Briefen etwas über persönliches Befinden und über Lagerzustände zu schreiben. Im KZ ist das Verbot naturgemäß härter gehandhabt worden. Schon bei geringen Verstößen wurde der Brief zurückge­geben oder er blieb ganz einfach unbefördert liegen. Außerdem durfte im KZ nur an eine feststehende Adresse geschrieben werden.

Der Gefangene, der über das verbotene Thema besonderes sagen wollte, mußte ,, schwarz" schreiben, d. h. den Brief auf irgend eine Weise und durch irgendwen unkontrolliert hinausbringen. Mög­lichkeiten und Wege dazu waren zu finden. Obschon es riskant und unter Umständen mit schweren Strafen belegt war, haben es nicht wenige getan. Seltsame Zufälle ließen andere hereinfallen.

Unter diesen Umständen konnte sich im normalen Lagerbrief von den düsteren Vorgängen und Verhältnissen im KZ so gut wie nichts widerspiegeln. Die hier wiedergegebenen Briefe sind ein Beleg dafür. Im übrigen war es dem einzelnen überlassen, im Rahmen des Erlaubten sich mit seinen Angehörigen auszusprechen. Unsere Briefe und Auszüge sind als Versuch eines Vaters zu werten, unter den obwaltenden Zwangsverhältnissen einen Aus­tausch mit seinen im Studium befindlichen Töchtern zu pflegen. Persönliches Erlebnis und erzieherische Tendenz gehen darin in­Hinweise auf einander über und kennzeichnen ihren Charakter. Literatur und auf musikalische Lagerdarbietungen lassen erraten, daß da abseits von der SS ein Brünnlein sickerte, das zeitweise zu nutzen bis zu einem gewissen Grade jedem praktisch möglich

war.

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Ilag XIII, 13. 11. 1940

... Hoffen wir das Beste und vergessen wir nicht, uns einzurich­ten für das Schlimmere. Ich sehe, wie unglücklich die Leute sind, die nur mehr auf ihre Entlassung warten. Man lebt ruhiger in den

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