stehen muß, wenn der Mensch den Mut gefunden, sich total loszusagen von der christlichen Gottesidee und dem absoluten Sittengesetz, wenn er einmal wirklich Ernst macht mit dem Versuch, nicht nur ohne Gott, sondern gegen Gott zu leben und zu wirken. Es ist zwar nicht wahr, daß der Mensch die Welt nicht gestalten könne ohne Gott ; er kann es wohl, nur wird er es immer auf Kosten des Menschen tun.
Es bleibt ein Verdienst des gelehrten französischen Philosophen de Lubac( SJ), in einer geistvollen Analyse der Lehren von Comte, Feuerbach und Nietzsche nachgewiesen zu haben, daß der Versuch einer Erlösung und Beglückung der Menschheit ohne und gegen Gott und Christus zu einer Tragödie führen muß. Wer es will und versucht, der endet, ob gewollt oder ungewollt, in der Unmenschlichkeit. Mit dem Evangelium der Liebe wird er beginnen und mit der Aufrichtung der Tyrannei wird er enden. Das scheint ein psychologisches Gesetz zu sein. Was de Lubac in seinem Buch ,, Le drame de l'humanisme athée" den Lehren der genannten Kultur- und Sozialphilosophen abliest, das haben wir erlebt. Und der es rechtzeitig vorausgeahnt, und dessen Werke ein einziger Schrei der Warnung darstellen, war Dostojewsky. Er kannte die Irrungen, Wirrungen und Abgründe der menschlichen Seele wie kein anderer. Sein Ruf verhallte ungehört.
Der böse Traum, das Reich Gottes auf Erden errichten zu können, ohne Gott und im Kampfe gegen ihn, ja, daß man Gott leugnen müsse, damit dieses Reich ohne Leid und ohne Sorge verwirklicht werden könne, ist noch keineswegs ausgeträumt. Täuschen wir uns nicht, so schickt sich der gottlose Humanismus an, in anderen und weiteren Formen sich durchzusetzen. Der grauenhafte Zusammenbruch des einen Experiments, des Hitlerismus, wird leider nicht allgemein so gedeutet und verstanden. Und er lag doch durchaus auf der Linie des Versuches einer ,, Menschenbeglückung" mit untauglichen Mitteln, die naturgemäß ins Gegenteil umschlagen mußte.
11 Joos, Leben
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