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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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, Wir dürfen niemanden ansprechen und niemand uns, trotzdem

wir rufen ihn. Gehen Sie hier auf und ab."

Sein Wunsch ist erfüllt worden. Selig drückt er uns die Hand und versichert: Es passiert nichts mehr; es ist Schluß..."

Um 10 Uhr abends werden wir ins Gemeindehaus gefahren. SS hat Stroh im Gemeindesaal aufgeschüttet. Die Damen kommen in Gasthöfe. Wir können uns hinlegen.

28./29. April

Die Nacht läßt sich unruhig an. Um Mitternacht flüstert uns Petersdorfer, der mit der verstümmelten Hand, von dessen Her­kunft und Schicksal wir am wenigsten wissen, eine alarmierende Nachricht zu. ,, Die SS - Leute sind betrunken und schwätzen vom Umlegen". ,, Wir leisten auf alle Fälle Widerstand. Alles auf die Beine, wenn wir rufen!" Es passiert nichts.

29. April

Sonntag. Um 10 Uhr Mitteilungen. Man sucht uns zu beruhigen. Die italienischen Offiziere haben sich zu ihren Freunden seitwärts in die Büsche geschlagen Der Neffe Molotows hat sich ange­schlossen. Um 211 Uhr wird die katholische Kirche am Ort zum Gottesdienst für die Häftlinge freigemacht. Mgr. Piguet zelebriert die heilige Messe. Deutsche, französische und ungarische Teilneh­

mer.

Das Mittagsessen fällt aus. Um 122 Uhr Tee. Gerüchte bedenk­licher Art tauchen auf. Um 3 Uhr wieder Beruhigungsansprache. Ein Komitee zur Vertretung der Häftlinge wird gewählt. Wir su­chen uns ein anderes Quartier. Man kontrolliert nicht mehr. Zei­chen der beginnenden Auflösung. Der Müller Schmidthöfer von Niederdorf, bekannt als Gegner der Nazis, nimmt uns zu dreien bereitwilligst auf. Wir schlafen in wirklichen Betten und essen wie beim Fest.

30. April

Stiller Tag. Man scheint über unsere weitere Unterbringung zu verhandeln. Wir diskutieren und gehen spazieren. Um 3 Uhr nach­

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