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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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an, daß er uns schütze heut beim Werk vor allem, was uns scha- den kann... Daß, wenn der Tag zur Neige geht... Mit dem Bischof, zwischen den Baracken wandernd, kommt uns die Stär-

kung zu, die uns furchtlos macht und froh.

Langsam lernen wir uns kennen. Der Schweizer Mottet, der in Flossenbirg dem Tod entgangen, mit ganzer Seele Mann der Resistance, bescheiden, tapferen Herzens, schließt sich uns an. So, das ist der Engländer vom Secret Service, den die Gestapo seiner Zeit an der holländischen Grenze verschleppt nat... Und hier der ganze griechische Generalstab mit seinem Chef, der italienische General Garibaldi mit seinen Stabsoff£izieren. Unter den Deutschen sehen wir neben von Falkenhausen den Amtschef vom OKW General Thomas, Oberst von Bon In scher der Operationsabteilung im Generalstab, Fregattenkapitän Nie- dig. v. Bonin war wegen eigenmächtiger Abänderungines sinn- losen Befehls Hitlers bei der Ostarmee mit KZ bstraft.

Weitere Lastwagen haben neue Schicksalsgenossen gebracht. Eben begrüßt L&on Blum sichtlich bewegt den Bischof von Clermont und dankt in ihm dem französischen Episkopat für Schutz und Sorge, die seinen Glaubensgenossen vom französischen Klerus zuteil geworden. Der Wiener Oberbürgermeister schüttelt seinem Freund Schuschnigg die Hand, der, von Frau und Kind begleitet, bittere Jahre hinter sich hat.

Auffallend viel junge Frauen unter denSippenhäft- lingen, Familienangehörige der in das Attentat gegen Hitler verwickelten Offiziere und bürgerlichen Politiker: die von Stauf- fenberg, die Gördeler u. a. Hier Graf von Plettenberg, vom west- fälischen Adel. Seine Tochter durfte an Stelle der kranken Mut- te- mit in Haft. Nun ist auch von Halder da, der ehemalige Chef des deutschen Generalstabs, mit seiner Frau und Dr, Pünder, der ehemalige Staatssekretär in der Reichskanzlei .

Yon Bonin läßt sich immer wieder von Dachau berichten.Un - glaublich, unmöglich! Wie konnte das nur geschehen! Und er schämt sich der Untaten seiner Landsleute.

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