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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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Arme. SS läßt geschehen. Alle denken das gleiche: die ersten, die man auf die Seite schafft...

Wir warten vor dem Tor und staunen: da stehen ja deutsche Generäle, von Falkenhausen, der einstige Militärgouverneur von Belgien und Nordfrankreich, in Uniform; und englische, griechische und italienische Offiziere und Generalstäbler, alles Häftlinge. Interessant!

Wir zwängen uns in die Wagen. Was heißt Schemel , was heißt Bank? Der eine hält den anderen. So geht's in die Nacht hinein. Wohin? Wenn man es wüßte! Es ist stockdunkel. Unsere Gedan­ken wandern mit dem Gebrumm der Motore... Bei einer Weg­biegung mitten in der Nacht kennt sich einer der Bayern aus. Wir fahren über Rosenheim - Kufstein , Richtung Innsbruck .

25. April

Ein bleicher Morgen dämmert aus dem Sprühregen auf. Es trieft. Stacheldraht. Ein Lager. Wir halten. Das Durchgangslager und die Gestapozentrale Innsbruck . Wir kommen unerwartet. Man verhandelt. Wir warten. Endlich aussteigen. Da stehen wir im Re­gen. Im Lager erwacht das Leben. Hinter vergitterten und mit Stacheldraht vernagelten Fenstern schauen schmale, übernäch­tigte Gesichter uns entgegen, teils Männer, teils Frauen. Eine Ab­teilung Kriegsgefangener, Slovenen der Sprache nach ,. ziehen schweigend an uns vorüber. Man reicht uns eine Sitzbank. Was sollen wir hier? Manche rechnen schon mit einem Genickschuẞ. Um 9 Uhr erhalten wir ein Stück Brot und Wurst. Also Vertrauen! Die Stunden schleichen dahin. Mutter Natur hat Erbarmen mit uns und hat den Schleier vom Bild ihrer schönen Welt wegge­zogen. In strahlender Schönheit türmen sich vor uns die Berg­ketten. ,, Sehen Sie", bemerkt der Bischof ,,, die wunderbare Welt da droben ist Gottes Werk, was uns hier unten umgibt, ist Men­schenwerk." Am Abend dürfen wir in der einen Baracke unsere Betten bauen.

26. April

,, Schon stieg der Sonne Licht empor; so lasset Gott uns flehen

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