zahlreich waren, so wußte er immer, wem er etwas zukommen lassen sollte. Eine Eẞgemeinschaft bildete sich heraus. Und da die in der Stube ausgehängte Paketliste Auskunft darüber gab, wer von außen her wenig oder garnicht bedacht war, konnte K. mancher Bitte zuvorkommen und praktisch dartun, daß niemand ganz verlassen zu sein brauchte.
Wie weit das hier nur in großen Umrissen angedeutete Wirken des Paters Kentenich die Gesamtheit der Priester- oder LaienHäftlinge im Lager beeinflußt hat, ist nicht einfach festzustellen. Bei Gesprächen mit Angehörigen anderer Bekenntnisse oder radikaler Parteiprogramme zugegen, konnte ich der Spur unmittelbarer Erfolge nachgehen. Und wenn auf der„ Gegenseite" nichts weiter erwirkt worden wäre als der Eindruck, hier einer Priesterpersönlichkeit begegnet zu sein, aufgeschlossen und verstehend, wissens- und lebenskundig, selbstlos und mutig nur der Allwissende vermag zu ermessen, was das im gegebenen Fall jeweils bedeutet hat.
In den Jahren der Gefangenchaft haben wir uns des öfteren über den Fragenkomplex unterhalten, von dem hier die Rede war. Wie wird, so fragten wir uns, die christliche Kirche diese Jahre unerhörter Leiden der Völker überstehen und wie wird sie danach vor den Opfern dieser Weltkatastrophe stehen? Unsere Auffassung und unser Urteil blieben optimistisch. Wo immer die Kirche sich zu ihrem Geist bekannte, hat sie gewonnen. Was die katholische Kirche im besonderen angeht, so hat sie in der Zeit, da eine entfesselte Unmenschlichkeit Triumphe feierte, Haltung bewahrt. Darum war sie ja in den Ländern, wo sich die dämonischen Gewalten austoben konnten, von diesen gehaßt und verfolgt, aus dem öffentlichen Leben ausgestoßen, zurückgeworfen in die Sakristei, eingeengt und gefesselt und ihres Lager, vor allem für die Kranken im Revier, abgegeben. Periodisch sammelten sie Zwieback und Traubenzucker, wie auch die jüngeren und noch halbwegs kräftigen unter ihnen sich jederzeit für Blutabgabe bei Transfusionen zur Verfügung stellten.
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