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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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zwingen selbst denen, die einen antiklerikalen Affekt nicht los- werden können, hohe Achtung ab. Was er ihnen in gelegentlichen Handzetteln zurief über Ehrgefühl, Freiheit und Verantwortlich- keitssinn, über Selbstachtung und Achtung vor andern, über Frauen, Treue zur Heimat, über Kameradschaft und Zusammen- leben, über Arbeit und geistiges Leben ist So treffsicher und lebenskundig hingesetzt, daß man nur bewundern kann. Ein sol- cher Priester durfte es wagen, ohne Unmut zu erregen, seinen Arbeitskameraden zuzurufen:Zuerst mußt du Mensch sein,

dann erst Arbeiter!

Was sterblich an P. Dillard war, zerfiel im Januar 1945 im Kre- matorium zu Dachau und mischte sich brüderlich mit der Asche

seiner unglücklichen Kameraden.

Der westdeutschen Provinz der Pallotiner war es vergönnt, neben den Jesuiten und Benediktinern aller Länder den größten Prozentsatz Gefangener des Ordens zu stellen. Unter ihnen den Rheinländer P. Kentenich , den Schöpfer und Beweser der vielgenanntenSchönstattbewegung . Dieser ungewöhnlich begabte Priester hat im Lager zu Dachau Jahre hindurch eine erstaunliche vielseitige und gefahrvolle apostolische Tätigkeit entfaltet. Von Berlin aus alsbesonders gefährlich avisiert, blieb ihm 1942 der Zugang zum Priesterblock sieben Monate lang verwehrt.(Die normale Zuweisung eriolgte nach drei Wochen.) Er nutzte diese Strafzeit zur Sammlung und Unter- richtung von zugehenden Geistlichen und Laien-Gemeinschaften. Während zweier Monate wird er auf den polnischen Priesterblock verschlagen. Hier sucht er seine polnischen Konfratres durch gelegentliche Vorträge in lateinischer Sprache innerlich zu stär- ken und mit ihrem Los auszusöhnen. Im Oktober 1942 kommt er endlich auf den deutschen Priesterblock, wo er bis zum 11. April 1945 bleibt. In diesen Jahren hält er regelmäßig und allabendlich im Schlafsaal Vorträge und müht sich in Verbindung mit einem Benediktiner , eine widerstandsfähige, ideale Priestergemeinschaft

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