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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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zur würdigen Gottesdienstfeier in der Kapelle nötig war. Ihre Liturgie war in Form und Gesang wohlgepflegt. An kirchlichen Hochfesten konnte sogar außerlesene geistliche Musik dargeboten werden, 2) Der einzigartige ,, Weihnachts- Liederabend der 20 Nati­onen" 1944 war im Lager ein nie gehörtes musikalisches Ereignis. Das hauchzarte Lied der Slovenen klingt unvergeßlich in uns nach. Den feinsinnigen Musiker und Chorleiter, Seminardirektor Dr. Schrammel, einen Oesterreicher, hatte die Lagerführung schon im Herbst 1944 aus der Arbeit herausgerissen und auf Straf­transport geschickt. Er ist im April 1945 in Buchenwald erschossen worden.

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Mit dem Verbot des Zutritts zum Priesterblock, das von Zeit zu sogenann­Zeit in Verbindung mit unkontrollierbaren Gerüchten ten ,, Lagerparolen" inoffiziell erneuert wurde, konnte man die Priesterbaracke immer unter Druck halten, d. h. wenn das Block­personal( bis Ende 1944 ausnahmslos Nichtgläubige, meist links­extremen Parteien entnommene reichsdeutsche Häftlinge) entspre­chend reagierte. Das war durchaus nicht immer der Fall.

In den schwierigen Jahren 1941 und 1942 erhielten die reichs­deutschen Geistlichen alltäglich eine Sonderzuwendung in Form einer kleinen Schale Kakao, sowie einem geringen Quantum Wein. Höhere kirchliche Instanzen sollen diese Stiftung erreicht haben. ( Genaueres hat der Verfasser nicht erfahren.) Die SS - Lagerfüh­rung hat die Zuwendung unter vernehmlichem Knirschen akzep­tiert, aber dafür gesorgt, daß sie in geradezu würdelosen Formen zur Verteilung kam. So mußten beispielsweise die Geistlichen reihenweise an den Tischen antreten und auf Kommando: ,, eins, zwei, drei" das ihnen zugewiesene Quantum Wein gleichzeitig und restlos austrinken. Selbstverständlich ging die SS dabei nicht leer aus. Diese Sonderzuwendung an die reichsdeutschen Geistlichen,

2) Dafür sorgten die Benediktiner P. Maurus Münch- Trier ( St. Matthias) und P. Gregor Sch wake- Beuron. Letzterer ver­mochte in den 15 Monaten Dachau mehrere poetische und musika­lische Werke zu konzipieren, u. a. eine ,, Dachauer Messe".

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