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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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nenden Kirche, Mitglieder von Bruderräten derselben und wegen Stellungnahme gegen die Irrlehren der Partei und Pro­testen gegen die Tötung von Geisteskranken in Haft.

Daß die Gestapo katholische Priester und Ordensleute in größe­rer Zahl verhaftete und nach Dachau schickte, ist weiter nicht ver­wunderlich. Nationalsozialistisches Denken und Handeln stand in schroffem Gegensatz zum christlichen Gottesglauben und zur christlich- sittlichen Ueberzeugung. Das mußte je länger um so mehr offenbar werden und zu den Verfolgungsmaßnahmen hinfüh­ren, an deren Ende die Verhaftung stand. In den vergewaltigten und besetzten Ländern wurden die Geistlichen als die ,, geborenen Führer" des Volkes planmäßig weggenommen.

Das Verhältnis der SS - Verwaltung bzw. Lagerführung zu Religion und kirchlichem Denken war absolut negativ, feindselig. Religiöses Bedürfnis anerkannte die SS nicht. Re­ligiös- kirchliches Leben erschien ihnen als eine Marotte, eine Narrheit, als ein ,, Gewerbe der Pfaffen", als Volksverdummung. Den Geistlichen begegneten sie mit Hohn, Spott und Verachtung. Wo sie dieselben demütigen, lächerlich machen, wo sie sie schika­nieren konnten, taten sie es. Und unter der Hand nährten sie unter den Häftlingen im Lager eine haẞerfüllte Stimmung gegen Reli­gion und Geistlichkeit. Im Kasino der SS - Offiziere waren die Wände mit Bildern unflätigster Art beschmiert, in deren Mittel­punkt der Geistliche als Heuchler und sittenloser Mensch erschien. Von dieser Bemalung sind Photos vorhanden. Sie werden der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Der geräuschlos und überaus umsichtig arbeitende P. Schmitt( Salesianer ), ein wahrer Vir­tuose angewandter Technik, hatte sie in aller Stille abkonterfeit und die Photos solange versteckt halten können, bis die Befrei­ungsstunde schlug. Prinzipiell wurden in den Jahren nur solche Geistliche aus dem Lager entlassen, die sich bereit erklärten, auf Ausübung ihres priesterlichen Berufes zu verzichten und keinerlei kirchliche Funktionen mehr auszuüben. Von dieser Möglichkeit ist in einem lächerlich geringen Maße Gebrauch gemacht worden.

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