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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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Was sich ab Ende Dezember 1944, im Januar und Februar 1945 im KZ Dachau abgespielt hat,gehört zudenerschüttern dsten

Tragödien in der Geschichle aller Konzentra- tionslager. Hier das Zeugnis von Ueberlebenden vom Block der Alten und Invaliden:

Wir waren voller Läuse und Flöhe. Viele hatten keine Matratze mehr und lagen nackt auf den Brettern. Da sie nicht mehr auf- stehen konnten, wurden alle Bedürfnisse am Ort verrichtet. Von den oberen Brettern fiel der Schmutz auf die unteren. War einer zu sehr beschmutzt, so wurde er auf Verlangen der Kameraden it den Waschraum gezerrt, mit groben Bürsten abgescheuert und wieder auf die Bretter geworfen. So Camille, der Controlleur general de larmee, bald danach verstorben. Der Fischer Schulz Michel, 44 Jahre alt, blieb 3 Wochen ohne jedwede Pflege nackt auf den Brettern. Totgeglaubt, warf man ihn auf den Leichenhau- fen. Unter Aufbietung letzter Willenskraft gelang es ihm, sem Bett wieder zu erreichen. Am 5. Januar 1945 mußten wir vom Bad zum Block zurückkehren(zirka 400 m), bei strenger Kälte, nur mit kurzer Unterhose bekleidet und einem dünnen Hemd. Manche von uns brachen unterwegs zusammen und starben(Davier von Nantes). Wir blieben 3 Tage ohne Kleider und ohne Decken. Als diese von der Desinfektion zurückkamen, waren sie noch voller Ungeziefer. Anläßlich dieser Desinfektion erhielt Cherpittel von Belfort, 63 Jahre alt, vom Blockältesten Zepp(wahrscheinlich Sepp, d. V.) heftige Stockschläge auf den Kopf und starb einige Stunden da- nach.

Die Desinfektion vom 25. Januar 1945: um 6 Uhr morgens mußten wir zum Bad. Wer nicht gehen konnte, wurde nackt oder halbnackt auf eine Karre geworfen. Es war sehr kalt. Viele von uns hatten 40 Grad Fieber. Wer nicht schnell genug vorankam, erhielt Stock- schläge vom Blockältesten. Wem es im Bad nicht gelang, gleich zur Dusche zu kommen, wurde über den Zementboden geschleift und in einen Wasserbehälter getaucht. Die Häftlinge de Maudhuy und Durfour ertranken. Auch der Capo vom Bad beteiligte sich

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