Mit der gierigen Hast des Goldsuchers im Flußsand warf sich die Lager-SS, im voraus avisiert, auf den Transport. der von Auschwitz kam. Juden— hier ist Geld und Gold, Sie hatten es längst nicht mehr. Aber das Personal der Blöcke, die Häftlinge, die diese Armen, dem Tode Geweihten, zu betreuen hatten, die hatten es. Den ganzen Tag wurden diese seltsamen Kameraden, die ihre Mitgefangenen unter Drohungen und Schmeicheleien aus- geplündert hatten, gefilzt. Wie die großen funkelnden Goldmünzen und mancher kostbare Stein bewies, nicht ohne Erfolg. Welch ein
reicher Tag für die Lagerführung!
Ein Transport aus russisch-polnischem Gebiet brachte, in Männerkleidung versteckt, vier Frauen. Ob Frauen, die ihren Männern gefolgt waren? Wir haben es nicht erfahren können. K., der dritte Lagerführer, hat sie durch Genickschüsse getötet,
Achtzig jüdische Knaben waren für wenige Wochen in Dachau . Der jüngste acht Jahre alt, der älteste fünfzehn. Der Fünfzehnjäh- rige fühlte sich als Sprecher für alle. Ungewöhnlich reif für seine Knabenjahre und schon längst ausgebildet in einem Handwerk, setzte er uns sachlich kühl auseinander, was er von diesem Trans- port und den mutmaßlichen Absichten der SS hielt.„Wir werden getötet, wie unsere Väter und Mütter. Wir wissen es. In dem La- ger, aus dem wir kommen, rief man jeden Tag einige von uns aus der Reihe. Sie verschwanden, und wir haben nie mehr von ihnen @ehört. Nun ist die Reihe an uns. Man wird uns von hier abtrans- portieren und in die Gaskammern stoßen. Es soll wohl so sein.”
— 14 Tage später ging’s richtig weiter.


