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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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seitig tot getreten. Sie waren erstickt. Der Arzt Dr. Marzot, der in Compiegne Dienst als Lagerarzt versah, wurde zwangsweise nach Dachau mitgenommen, weil er sich geweigert hatte, einige Kranke als transportfähig zu bezeichnen. Spätere Transporte la- gerten wie üblich ihre Menschenlast auf dem. Spielplatz ab vor

unseren Bürofenstern.

So sahen wir an einem heißen Sommernachmittag vor unsern Fenstern niedergekauert liegen u. a. Msgr. Piguet, den Bischof von Clermont, und General Delestraint , beide erschöpft und in leidendem Zustand, von Natzweiler kommend. Der Elsässer Hau- messer, Vikar von Sausheim, meldete sofort und man überlegte. Durch geschickte Manipulation gelang die Aufnahme beider ins Revier. Der General, der genau wußte, daß sein Leben verwirkt war und es ihm nur bis auf weiteres, auf Widerruf, belassen war, litt an hartnäckiger Furunkulose, was ihn vielleicht für einige Monate retten konnte. Bischof und General teilten als treue Schicksalsgefährten miteinander das wenige, was ihnen zustand. Michelet, den sein allzeit gefälliger Capo inzwischen mit einem Sonderkommando betreut hatte, damit er im Revier den franzö- sischen Kameraden unauffällig behilflich sein konnte, hielt den Kontakt mit ihnen aufrecht. Indes der Bischof dem Block der Priester überwiesen war, verblieb Delestraint weiter im Revier, Sie trafen sich nach Monaten wieder, als sogenannteSonder- häftlinge im Zellenbau. Von da rief die SS den General in der

Morgenfrühe des 19. April 1945 aus der heiligen Messe des Bischofs

heraus zur Exekution. 5 Tage darnach ward der Bischof aufge-

rufen zum Transport in die Tiroler Alpen.

Das Verfahren des Empfangs, der Identifizierung und Notierung

sinfektion auf dem offenen Spielplatz blieb bis in e, un-

sowie der De den Winter 1944 hinein dasselbe. Die großen Transport

glaublich verlaust, wurden noch im Regen und Schnee im Freien erledigt. Dann erst fand man, daß man es auch anders machen

konnte.

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