kranke und Sterbende werden aufgelesen und weggebracht. Dann erst beginnt die stundenlange Prozedur des Aufgeschriebenwerdens und der Desinfektion. Es ist längst wieder Nacht geworden, kühl und kalt, wenn die letzten, nackt, zum Bad getrieben werden, um danach mit einem dünnen, um ihr Gebein schlotternden Lageranzug und in klumpigen Holzschuhen, in letzter Anstrengung, dem Block zuzuwanken. Fragwürdige und übelriechende Utensilien was schleppt ein auf langen Transport gehender Häftling nicht alles in seiner Not mit! qualmen auf dem feuchten Moorboden. port.
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verglühen und verSo kommt ein Trans
Das Allerschrecklichste, was uns je an Transporten zu Gesicht kam, war der im November 1942 von Danzig - Studhof. An 900 polnische und russische Gefangene waren es, die man erwartete. Sie waren 10 Tage unterwegs und hatten nur für 2 Tage Nahrung. Bei ihrer Ankunft zählte man 300 Tote, die aus den unbeschreiblich verschmutzten Wagen herausgeschaufelt werden mußten. Sechs Leichen waren angenagt, an einzelnen Körperteilen bis auf die Knochen, nicht von Tieren, sondern von den hungernden Ka meraden. Kannibalismus im Jahre 1942 in Zentral- Europa ! Die Ueberlebenden zogen im Desinfektionsbad nackt an uns vorüber, schwankenden ein grauenerregender Zug von gespensterhaften, Skeletten, mit stierem Blick aus tiefen Augenhöhlen, ein Totentanz, wie ihn die Phantasie des Totentanz- Malers Holbein nicht erschreckender ausdenken konnte. Nach wenigen Wochen der ganze Transport ausgestorben. Andere Transporte von Großrosen und Mauthausen erinnerten daran. Der letzte am 28. Februar 1945, von Großrosen kommend, zählte 80 Prozent Tote!
war
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Der Transport französischer politischer Deportierter, der am 5. Juli 1944 von Compiègne kam, sollte nach den Laufzetteln 2582 Mann bringen. Es kamen nur 952 Lebende und 43 Tote. Die andern Toten waren bereits unterwegs ausgeladen. Niemand im Lager glaubte der SS, die das Gerücht verbreitete, die Gefangenen hätten unterwegs Streit unter sich gehabt und hätten sich gegen
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